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2. Oktober 2012 2 02 /10 /Oktober /2012 08:07

Jetzt wo die Tage kürzer und die Nächte kühler werden verabschieden sich die Gärten noch einmal mit einem Farbenrausch. Die Herbstaster lassen in der tiefstehenden Sonne ihre weißen, rosanen oder violett blauen Blüten noch einmal richtig leuchten und der strahlendblaue späte Eisenhut sticht vom sich umfärbenden Laub ab. Bei vielen der Laubbäume kommen jetzt die im Sommer versteckten Farben zum Vorschein. Die Pflanzen ziehen sich für ihre Winterruhe zurück. Dabei werden nach und nach einige Inhaltsstoffe in den Blättern abgebaut. Das grüne Chlorophyll verschwindet aus den Blättern und die zurückbleibenden gelben, orangenen und roten Farbstoffe werden sichtbar.

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Jetzt wo alles etwas lichter wird lassen sich besonders gut die emsig sammelnden Eichhörnchen beobachten. Gehen sie doch mal durch den Staudengrund Richtung Mausoleum. Bei den beiden großen Hickorynussbäumen trifft man oft gleich auf mehrere von ihnen. Wenn sie auch Lust am Sammeln haben können sie ja auch einmal an den Waldrändern und an den Feldern nach Samen und Beeren Ausschau halten. Binden sie sich einen schönen Strauß daraus und holen sich etwas Farbe in die Wohnung – und wenn er eingetrocknet sein sollte machen sie im Winter den Vögeln eine Freude und hängen ihn einfach raus.

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Aber nicht nur die Eichhörnchen sind jetzt im Garten fleißig, auch andere Tiere bekommen wir jetzt zu Gesicht. Einige davon sind sogar für den volkstümlichen Namen Altweibersommer verantwortlich der sich im Herbst unter günstigen Bedingungen einstellt.

Der Name Altweibersommer leitet sich nämlich von Spinnenfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. In norddeutschen Dialekten nennt man die Altweibersommerfäden Metten, Mettken oder Mettjen (als Verkleinerungsform von Made, das heißt, man hielt sie für Raupengespinst). Wegen der lautlichen Ähnlichkeit wurde dieser Begriff wohl volksetymologisch zu Mädchen umgedeutet.

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Im Volksglauben wurden diese Spinnweben aber auch für Gespinste von Elfen, Zwergen, der Nornen oder der Jungfrau Maria („Marienfäden“, „Mariengarn“, „Marienseide“, „Marienhaar“ oder „Unserer Lieben Frauen Gespinst“, „Mutter Gottes Gespinst“) gehalten. Weitere Bezeichnungen sind Ähnlsummer, Frauensommer, Mädchensommer, Mettensommer, Mettkensommer, Metjensommer, Witwensömmerli, Liebfrauenhaar und fliegender Sommer. Im Volksglauben nahm man an, dass es baldige Hochzeit verheißt, wenn sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen. Also wie man sieht – eine zauberhafte Jahreszeit.

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Um diesen Zauber noch lange genießen zu können sollte man in seinem Garten nicht ganz so gut „aufräumen“ . Lassen sie doch ruhig einige ihrer Stauden über Winter stehen und schneiden sie erst im Frühjahr zurück. Viele Pflanzen haben  dekorative Fruchtstände die dann im bereiften Zustand besonders schön wirken. Oder machen sie doch einmal aus ihren Gräsern Kunstobjekte indem sie sie in unterschiedliche Formen binden. So werden sie auch über den Altweibersommer etwas Zauber im Garten erhalten können.

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Text und Fotos: Sven Kappel

 


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Published by Büro für Naturetainment
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