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10. Juli 2012 2 10 /07 /Juli /2012 09:31

Die Schöne für einen Tag

 

Ab Juni werden die Besucher des Berggartens von einer Reihe blühender Taglilien begrüßt. Diese Pflanzengruppe mit dem botanischen Namen Hemerocallis bildet im Pflanzenreich eine eigene Familie (Hemerocallidaceae), die auf ca.18 verschiedene Arten hervorgebracht hat. Durch ihre attraktiven Blüten und ihre Robustheit wurden diese Pflanzen schon früh züchterisch bearbeitet, so dass es zur Zeit über 130 000 eingetragene Sorten auf dem Weltmarkt gibt.

Der botanische Name Hemerocallis leitet sich aus dem griechischen ab - heméra steht für den Tag und kállos für die Schönheit. Wie sich also schon aus diesem Namen erahnen lässt blüht diese Schönheit nur einen Tag, was ihr auch den deutschen Namen Taglilie einbrachte.


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Ihre größte natürliche Verbreitung findet die Taglilie in China. Hier wird sie auch schon sehr früh als Gartenpflanze geschätzt. So findet die Pflanze in einer Sammlung von Volksliedern und religiösen Gesängen – dem Shih ching ( ca. 500 v.Chr.) – erstmalig Erwähnung. Dort heißt es :

 

 

Oh Bruder, du musst von hinnen

Als ein Krieger unseres Königs.

Standhaft schütz die Krone.

Wie die Taglilie (Hsüan Ts´ao)

hinter jenem Baum,

bewahre mich vor Kümmernis“


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Dieser kleine Auszug aus einem Gedicht weist schon etwas versteckt auf einen Nutzen der Pflanze hin. Der Begriff Hsüan steht für das Vergessen. Die jungen Blätter dieser Staude werden auch heute noch in der chinesischen Medizin als Antidepressiva genutzt. Im rohen Zustand haben sie eine stimmungsaufhellende, leicht berauschende Wirkung. Diese Wirkung geht mit dem Erhitzen des Laubes allerdings verloren, so dass die Taglilie bedenkenlos einer weiteren Nutzung zugeführt werden kann. In China dient sie nämlich zusätzlich noch als Nahrungsmittel. Hierbei werden hauptsächlich die Knospen, aber auch das Laub als Gemüse genutzt. Sie können sich ja gerne einmal den Spaß machen und folgendes Rezept ausprobieren. Sollte ihr eigener Garten nicht genügend Knospen liefern können, dann schauen sie einmal bei einem Asia-Shop vorbei.

 

2 Hände voll Taglilienknospen

1 Knoblauchzehe

1-2cm frischen Ingwer

1 Tl. neutrales Öl

1-2 El. Sojasoße

2-3 El. Balsamico

Prise Zucker

etwas Chili

 

Die Knospen waschen, trockentupfen. Den Knoblauch und den Ingwer schälen kleinhacken und in einer Pfanne mit dem Öl andünsten. Die Taglilienknospen hinzugeben und ca. 5-8 Minuten unter rühren dünsten. Mit der Sojasoße und dem Balsamico ablöschen und mit Zucker und Chili abschmecken. Das Gemüse kann warm oder kalt genossen werden.

Am Besten sie packen sich eine Portion ein und genießen sie bei einem Spaziergang durch den Berggarten. Dabei können sie die großblumigen Tagliliensorten am Eingang bewundern, oder sie suchen sich ein lauschiges Plätzchen im Staudengrund wo ihnen einige gelbblütige Wildformen der Taglilie entgegenleuchten.

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Bilder und Text: Sven Kappel

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Published by Büro für Naturetainment
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