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6. November 2012 2 06 /11 /November /2012 15:03

Jetzt wird es still in den Gärten und Parks. Die meisten Pflanzen sind in ihrer Winterruhe. Aber auch in dieser Jahreszeit gibt es noch vieles zu entdecken. Nicht vom Grün und Blütenpracht abgelenkt hat man nun freie Sicht und kann die Fläche ganz anders erleben. Pflanzentypische Strukturen und Wuchsformen treten jetzt hervor. Schauen sie sich einmal um und versuchen Bäume an ihrem Wuchsbild zu erkennen. Die  hoch aufragende schlanke Pappel – die herzförmige Krone junger Linden oder die runde Krone von Süßkirschen, jeder Baum hat seinen typischen Astaufbau.

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Von Nahem betrachtet offenbart sich eine Vielfalt von Rinden, unterschiedliche Farben und Strukturen lassen sich jetzt überall betrachten und vor allem auch einmal begreifen. Botanisch gesehen handelt es sich bei der „Außenhaut“ der Bäume und Sträucher um Borke. Sie wird aus dem Kork und abgestorbenen Teilen des Bastes gebildet. Die Borke schützt die darunterliegenden Schichten des Baumstamms vor physikalischen Einflüssen, wie Temperatur, Regen, Wind, Sonne, Feuer und mechanischen Einflüssen und sie dient als Abwehr von Schädlingen und Infektionen. Es gibt dabei die verschiedensten Formen wie Ringelborke, Glattborke, Platten/Schuppenborke und Netzborke sind dabei die häufigsten Vertreter. All diese Eigenschaften lassen sich im Berggarten gut beobachten.

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Gleich am Eingang stehen die alten Platanen. Sie haben eine Plattenborke. Jedes Jahr platzt etwas von der Borke plattig ab. Dem Baum wird quasi zu eng in seiner alten Haut und damit der stamm dicker werden kann wird die äußere Schicht abgestoßen. Dies sorgt bei der Platane für einen gescheckten Stamm fast wie bei camouflage Kleidung. Ringelborken finden wir im Garten beim Zimtahorn und bei den Zierkirschen. Hier schimmert die aufgerollte Außenhaut bei der tiefstehenden Sonne des Winters leuchtend braun bis rot – einen Aspekt den man durchaus einmal bei der eigenen Gartenumgestaltung mit einbeziehen kann. Ein weiterer Ringelborkenbesitzer ist die Birke mit ihrer weißen Außenschicht.. Die Farbe der Borke schützt den Stamm gerade im Frühjahr vor der Sonne. Diese würde den Stamm auf ihrer Seite erwärmen, auf der Schattenseite bleibt er aber kalt, eventuell sogar gefroren. Wäre der Stamm jetzt dunkel ist der Temperaturunterschied so hoch das die entstehenden Spannungen den Stamm reißen lassen könnten. Die helle Borke verhindert dies. Einen typischen Netzborkenbesitzer kenn jeder – unsere Eiche.

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Auch ihr wird es beim Wachsen zu eng und die Außenhaut reißt netzförmig ein. Allerdings bleibt sie am Stamm und wird nicht abgestoßen. Auch hier bietet die dicke Schicht Schutz. Damit Pilze und Schadinsekten schlechter angreifen lagert die Eiche viele Gerbstoffe in der Rinde/Borke an. Diese Gerbstoffe hat sich der Mensch früher für die Ledergerberei zu Nutze gemacht.

Als Beispiel für den Feuerschutz gibt es im Berggarten einen Riesen unter den Bäumen – den Mammutbaum. Die Riesenmammutbäume werden durch  ihre dicke, faserige Rinde vor Waldbränden geschützt, die in ihrer natürlichen Heimat häufiger auftreten.

Viele der alten Bäume in den US- Nationalparks zeigen deutliche Brandnarben, die aber, wenn der Baum nicht zu stark geschädigt ist, wieder verheilen. Die Zapfen der Riesenmammutbäume öffnen sich erst nach einem Waldbrand. Nachdem alle konkurrierenden Pflanzen verbrannt sind, können die Samen ungestört in der nährstoffreichen Ascheschicht keimen. 

Eine Besonderheit der Ausbildung von Borke findet man im Staudengrund. Machen sie sich doch einmal auf die Suche nach der Stacheldrahtrose . Sie werden sie schnell an den zahlreichen großen Stacheln erkennen – ja genau Stacheln – Rosen haben botanisch gesehen nämlich gar keine Dornen. Die Stacheln lassen sich immer mühelos abbrechen, sie sind nämlich Teil der Borke. Der Dorn hingegen sitzt fest und ist mit dem Holzkern verbunden.

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Wie man sieht gibt es auch im Winter Zahlreiches zu entdecken, also befüllen sie doch einmal die Thermoskanne und machen sich auf einen Spaziergang.

Fotos und Text: Sven Kappel

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Published by Büro für Naturetainment
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